Der Sturm auf die Bastille

26. September 2017

Je bedeutender das Ereignis, desto eher erinnert man sich. Was ich gestern, am 14. September 2017, gemacht oder auch nur gegessen habe weiß ich erst nach kurzer Überlegung. Einen Tag davor- schon schwierig! Und was sich 2 Monate zuvor am 14. Juli abgespielt hat: für immer gelöscht und überschrieben. Warum sollte ich also wissen was sich vor 228 Jahren an diesem Tag ereignet hat?!
Da haben wir es aber – ein geschichtlich bedeutendes Ereignis.

 

 

Der Sturm auf die Bastille. Am Vormittag des 14. Juli 1789 nahm das Pariser Volk des 3. Standes sein Schicksal selbst in die Hand und stürmte die berüchtigte Bastille um an die dort gelagerten 30.000 Pfund Schießpulver zu gelangen. Schon um 17:00 Uhr war die Festung eingenommen – der gemeine Franzose wild entschlossen sein Leben zu lassen für die bürgerlichen Freiheitsrechte. Der Tag also, an dem die französische Revolution begann.
Geburtsstunde: „Liberté, Egalité, Fraternité“.

Ich hörte von diesem Datum bisher genau zweimal in meinem Leben:

Das erste Mal in der Schule: 8. Klasse, Geschichtsunterricht am Montag, 5. und 6. Stunde. Negative Erinnerung. Das zweite Mal: Grey Goose lädt ein auf den „Bastille Day“ mit sommerlichen Cocktails auf der Dachterrasse vom SoHo House Berlin anzustoßen. Positive Erinnerung.
Optimistisch wie wir sind, bleiben wir bei der zweiten, positiven Erinnerung.

 

 

Ich hoffe, ich enttäusche euch nicht wenn ich vorwegnehme, dass der „Sturm auf die Bastille“ des Jahres 2017 in Berlin etwas anders verlief als damals in Paris.
Es handelte sich bei dem Schauplatz nicht um die 200 Jahre alte, als Gefängnis dienende Festung, sondern das wohlbekannte Soho House. Das aufgebrachte Volk tauschte mit geladenen Gästen des Hotels, sowie einer Hand voll Bloggern (samt mir). Auch wenn es sich nicht um Schießpulver und Munition handelte die uns lockten war der Köder, der Ansporn die Dachterrasse des Soho House zu erklimmen (anders: die Bastille zu stürmen), ein schöneres und vor allem friedlicheres Äquivalent: die Spirituose „Grey Goose Vodka“, bereitgestellte Zutaten für Signature Cocktails wie den „Le Grand Fizz“, sowie allerlei Häppchen französischer Art.

 

 

Damals war es der Kommandant der Truppen von Paris, Baron de Besenval, welcher die Verlagerung der Schießpulvervorräte in die Bastille veranlasste.Nun der renommierte Barkeeper und „Atelier of Taste“-Member „Nouri“ (Noureddine Elmoussaoui), der verantwortlich war für den richtigen Mix aus Sweet & Sour, Limonade & Fizz.

 

 

Leider endet hier die Möglichkeit weitere Vergleiche zu ziehen, da der Verlauf des Abends weder die Befreiung Gefangener (damals lediglich 4 Geldfälscher, 2 Geisteskranke und 1 verbannter Graf), noch den Abriss des Soho Houses barg.
Auch wenn der 14. Juli diesen Jahres von Grund auf anders verlief als zu Zeiten Ludwig XVI., wurde der Quintessenz der französischen Revolution rückblickend gebührend Rechnung getragen:
die Dachterrasse vermittelte ein Gefühl von Freiheit, wir feierten zusammen auf der Ebene von Gleichheit und beendeten den Abend in Brüderlichkeit. Liberté, Egalité, Fraternité.

 

À bientôt,
Justus

 

 

Post Scriptum: Warum so wenige Bilder? Grund dafür ist, dass die Hausordnung des SoHo Houses stricktes Handy- & Kameraverbot auf der Dachterrasse vorschreibt. Die Privatsphäre der Mitglieder steht an oberster Stelle, sodass wir nur ausnahmsweise für wenige Minuten Fotos aufnehmen durften. Voraussetzung: es ist keine Person (außer man selbst) auf den Bildern zu sehen.
Auch wenn nachteilig für mich/ euch, schätze ich diese Regel sehr!